Eines der ständig in den lokalen Schlagzeilen befindlichen Prestige Projekte der Kaiserbäder, und damit im Verständnis von Vermarkter und der kaiserlichen Gemeinde auch der ganzen Insel Usedom, wurde nun beendet. Eine Ausgabe 2015 des Baltic Fashion Award wird es wohl nicht geben.

Über die Gründe will ich hier gar nicht soviel schreiben und mich auch gar nicht weiter auslassen. Gilt man doch nach wie vor mit Kritik hier in der Provinz sehr schnell als Nestbeschmutzer und Neider.

Die OSTSEE ZEITUNG – Lokalausgabe Insel Usedom, Wolgast und Region veröffentlicht heute, am 12.02.2015, einen ausführlichen Beitrag zum Aus für den Baltic Fashion Award Usedom von Carolin Riemer und Martina Rathke. Neben vielen anderen Infos steht dort ein Satz:

„… Anders als in der Millionenstadt Berlin treffen potenzielle Sponsoren hier auf eine deutlich kleinere Zielgruppe gut situierter, in der Regel älterer Urlauber. Nicht gerade das, was sich Mode- und Kosmetikkonzerne als Umfeld fürs Sponsoring wünschen.“

Ein wunderbarer Satz, für den ich hier ein explizites Lob an die beiden Redakteurinnen richten möchte. Gibt mir dieser Satz doch die Vorlage, die ich für folgende Zeilen brauchte.

Was lese ich jetzt aus diesem Satz und dem Rest des Artikels in der OZ.

  1. Der Baltic Fashion Award war ein krankendes Pferd, das mit viel Geld 13 Jahre lang geritten wurde, ohne die hohen Ziele der Macher und Unterstützer zu erreichen. Friedhelm Acksteiner, Chef der Event Agentur, die den BFA betreute wird in der OZ zitiert mit: „Ich bin zutiefst enttäuscht, Heringsdorf hätte zum Mekka für die Modebranche werden können.“ Nein, hätte es nicht… jedenfalls nicht so!
    Derartiger Realitätsverlust kann eigentlich nur damit entschuldigt werden, dass es natürlich tragisch ist, wenn man nun dieses Event nicht mehr abrechnen kann. Was Herrn Acksteiner da im Angesicht der 13jährigen Erfahrungen zu dieser Aussage getrieben haben könnte, war vielleicht auch Glaube. Nur der weicht bekanntlich mit der Zunahme an Wissen.
  2. Wir müssen uns der Frage stellen, ob mit dem, was auf und mit der Insel Usedom passiert, auf lange Sicht die Insel überhaupt noch für irgendetwas zu einem Mekka werden kann.
    Nur ein Gedanke meinerseits: Wenn ich Berlin richtig verstehe, dann schaffe ich es nur den Berliner zu locken, wenn ich ihm Sachen biete, die er aus Berlin kennt und schon in Berlin gut findet. Und da selbst die Fashion Week in Berlin und der Modeszene eher … na sagen wir mal … kritisch betrachtet wird, wird es natürlich für Veranstaltungen in deren Fahrwasser zusätzlich schwierig.
  3. Ich locke die bunten Vögel nur mit gutem Futter, wenn also immer nur D- bis F-Promis in Heringsdorf rumlungern, dann juckt das das gewünschte Klientel und die Berliner, deutsche, europäische Modeszene … gar nicht. Das ist absolut keine Kritik an den jungen Modemachern, die sich dem Wettbewerb gestellt haben. Die waren immer engagiert und es war gut, dass sie auf Usedom waren.
  4. Ich bestreite, dass es einen erheblichen, erwähnenswerten Anteil gut situierter älterer Urlauber gibt, die sich für den Baltic Fashion Award auf Usedom interessieren.
  5. Was wir auf Usedom haben sind ältere Urlauber (das ist gut so, ist das doch genau das Klientel, dass Usedom seit Jahren konsequent anzieht) und viele an Mode desinteressierte Urlauber. Das dürfte selbst den mit Usedom-Liebe-Pathos total verklebten Zeitgenossen auffallen, die die Bermuda-Tennissocken-Sandalen Geschwader bei allen Sonnenaufgangs-/-untergangs-/Strand-Stimmungsfotos nicht mal absichtlich ignorieren können. Also…hier ist keine Zielgruppe für Mode, wie sie uns der BFA nahebringen will. Und das haben die beiden OZ Redakteurinnen, wenn auch nicht direkt genug, aber dennoch treffend festgestellt. Wiederum wäre hier die Aufgabe interessiertes Klientel anzulocken. Das wiederum würde allen gut tun.
  6. Ich bin nicht nah genug dran am Modethema. Welche der Teilnehmer arbeiten denn mittlerweile erfolgreich allein oder wenigstens für ein großes Label? (Und auch diese Frage ist eine Frage und keine Provokation)
  7. Sponsoren? Ja wie denn? Ich spürte nichtmal (richtig große) mediale Präsenz des Baltic Fashion Awards. Gab es in den letzten Jahren Kontakte zur Bloggerszene? Man muss es nicht verstehen, aber Modeblogger sind ernstzunehmende Multiplikatoren… Da lohnt auch ne eingekaufte Sarah Knappik nicht. Dazu ein schwaches Social Media Engagement … alles Agenturaufgaben. Noch dazu wollen Sponsoren von der Aufmerksamkeit eines Events profitieren…und nicht Geld ausgeben um auch noch die Präsenz des finanzierten Projekts zu erhöhen. Jedenfalls sollte es primär so laufen. Die Suche nach Multiplikatoren ging aber offensichtlich in die falsche Richtung. Aber gut, wollen wir dann mal nicht zu sehr auf der Agentur rumreiten.
  8. Erkennen die Kaiserbäder denn jetzt, dass sie eben noch nicht überall in der ersten Liga mitspielen? Und das man daran arbeiten muss? Ein beachtetes Mode-Event kann, so meine persönliche Meinung, nur in einem modernen, jungen, innovativen Umfeld erfolgreich sein.
  9. Es gibt immer Potenzial für Neues… auch bei einem Mode-Event … nur der Versuch den Namen jetzt noch zu verscherbeln, das sollte man bleiben lassen… auch das wäre nicht so gut fürs Image. Ansonsten kann man Mode auf Usedom machen.

Und auch wenn Andrej Subarew (künstlerischer Leiter des BAF) noch nicht verstehen kann, warum die kaiserliche Gemeinde jetzt (endlich) die Reißleine gezogen hat, ich kann es schon…die Kunst zog zu wenig Kommerz nach sich…wo doch eins ohne das andere nicht funktioniert. Auch wenn es schade ist, dass es jetzt noch ein Event und noch ein bisschen Glamour weniger auf Usedom gibt.

Die Stimmung ist im Moment wohl noch zu geknickt… deswegen bringe ich den Gedanken nach einer Alternative und den schnelleren Nachbarn auf der polnischen Seite erst gar nicht ins Spiel.

BILDQUELLE: OSTSEE-ZEITUNG vom 12.02.2015 „Heringsdorf mottet Baltic Fashion Award ein“