So jedenfalls muss es durch die Redaktionsräume des Nordkurier in Anklam geschallt haben, als es darum ging ein Ereignis aus meinem beschaulichen Heimatstädtchen Lassan noch einmal leserwirksam zu verwursten.

Worum es ging?

Am 18. August, ja lieber Nordkurier, das hätte man leicht recherchieren können ohne „Mitte August“ hätte schreiben zu müssen, kam es zu einem Zwischenfall im Hafen Lassan. Mein lieber Bürgermeister bat mich im Nachhinein folgende Zeilen auf die Webseite der Stadt Lassan zu schreiben – ich zitiere den Text hier (is ja eh von mir 😉 ):

Am 18. August 2014 kam es zum Kentern eines Kanus bei rauher See vor Lassan mit drei Kindern an Bord. Dem beherzten und schnellen Eingreifen der Herren Rudi Menge, Werner Stolpe (Gast bei uns im Hafen) und Detlef Nowack sowie eines uns namentlich noch nicht bekannten Herren ist es zu verdanken, dass die drei Kinder gerettet werden konnten.

Nachdem Herr Stolpe das Kentern des Kanus mit dem Fernglas bemerkte, kam es zur Meldung des Notfalls an Bremen Rescue zur Koordinierung der Seenotrettung und Benachrichtigung des Zollkreuzers Karnin.

Herr Menge startet gemeinsam mit dem Vater der Kinder mit seinem Boot in Richtung des gekenterten Kanus und den drei Kindern. Gemeinsam zogen sie die drei aus dem 17°C kalten Wasser.

Herr Nowack barg indessen das Kanu während der uns noch unbekannte Urlauber inzwischen mit einem Schlauchboot zur Szenerie dazustieß.

Nachdem der gute Ausgang der Rettungsaktion bereits gemeldet wurde, traf auch der Zollkreuzer noch ein.

Wir danken an dieser Stelle noch einmal allen Rettern und Helfern.

Beim Besuch der betroffenen Familie am Urlaubsort hier in Lassan gaben die Eltern unserem Bürgermeister Fred Gransow folgendes mit auf den Weg.

“Wir bedanken uns ganz herzlich für die schnelle und freundliche Rettung unserer Kinder beim Kentern unseres Kanus am Hafen von Lassan!” – Bernd und Tanja Frey mit ihren Kindern Niko, Naemi und Rabea

Der Nordkurier machte aus der ganzen Geschichte in seiner Ausgabe vom 7.10.2014 dann eine Story, die dem Untergang der Titanic in nichts nachsteht.

Ich lese von „Böen bis Windstärke 7“ und einem Mann, der „außer sich vor Angst“ war und im Hafen auf und ab lief…. JA sowas will der Leser, Dramatik, Action, Menschen in Todesangst … Großartig… Ich höre es förmlich „Kommen Sie schon, Sie wollen mir doch nicht etwa diese langweilige alljährliche Apfelsaft-Story allein in die Zeitung drucken… da muss noch was her… geben Sie Gas! Egal, wenn das 2 Monate her ist… Schreiben Sie das. Emotionen, Menschen, Gefühle!“

Allein, wenn ich jetzt drüber nachdenke, schmeiß ich mich weg vor lachen… oder soll ich gleich heulen?!

Egal… und dann knallt man auch noch die Namen der rettenden Protagonisten einfach mal zusammen, der Leser weiß jetzt im letzten Drittel der Horrorgeschichte eh nicht mehr, wer da am Anfang bei Kaffee und Kuchen auf seiner Terrasse saß und wer mit dem Boot raus aufs Wasser ist. Ja, der Mann mit dem Kaffee ist auch raus aufs Wasser hat aber nen anderen Nachnamen als der, der als erster ins Boot ist und die Kinder rettete.

Und dann der letzte Satz… ein journalistischer Traum, der die Anteilnahme der Schreibkraft fast schon plakativ vor Augen führt: „Letzendlich hatten sie mehr Glück als Verstand.“ Wenn das ein Zitat war, mache ich es entweder kenntlich oder besser, ich lasse sowas ganz weg.

Wenn ich mir im Text vorher die Sympathien der Leser mit drei geretteten Kindern auf den Leib ziehe, dann spare ich mir am Ende so einen Satz. Verstand hin oder her… Drei Kinder wurden zu unser aller Glück gerettet und wir sollten uns um den Verstand von Eltern und Kindern keine weiteren Gedanken machen. Wie erwähnt, die Kids hatten Schwimmwesten an.

Ich werde den Artikel des Nordkurier hier nicht posten, er liegt mir allerdings vor. Ich weigere mich allerdings, so etwas in irgendeiner Form zu supporten.