Ich hasse Frühling!

Apr 20, 2016

Man möge mich falsch verstehen. Ich liebe das Vogelgezwitscher, das frische Grün an den Bäumen, bunte Blüten und überhaupt ist die Zeit ganz nett so von April bis Juni.

Eigentlich alles ganz wunderbar. Wäre da nicht diese unsägliche Erscheinung, die regelmäßig dann eintritt, wenn die Sonnenstrahlen des Frühlings die ersten Tage engagiert den Boden kitzeln.

So geschieht es jedes Jahr aufs Neue. Der erste Grashalm hatte noch nicht die Chance auch nur einen Zentimeter an Länge zu gewinnen…

Da sind sie diese Geräusche des Bösen… Verbrennungsmotoren, meistens von Briggs & Stratton, diese kleinen fiesen Einzylinder mit Minimalhubraum, die nur dazu gebaut sind ein scharfes rotierendes Messer in einem Gefährt anzutreiben, dessen einziger Sinn darin besteht arme kleine Pflänzchen auf brutalste Art zu kürzen… und mir auf meinem Nervenkostüm rumzureiten.

So scheint es des Kleinbürgers größte Freude zu sein mit einem dieser Ungetüme seinen Rasen zu malträtieren und den Nachbarn in unüberhörbarer Weise die eigene Unruhe und Anwesenheit zu dokumentieren.

Rasenmäher, eigentlich aufgrund der Bauweise mit einem Motor nicht unsympathische Geräte, werden in ihrer exzessiven Benutzung zu einer Plage.

So kann man mit ziemlicher Sicherheit bei einigen Nachbarn seine Uhr danach stellen, wann das Gerät seinen lautstarken Dienst aufnimmt.

Wieder andere Nachbarn zeichnen sich durch gelebte Akribie aus, hat man doch den Eindruck aufgrund der Dauer des Einsatzes würden sie jeden Halm des zarten Grüns einzeln kürzen.

Wieder andere stehen bei mir im Verdacht verzweifeltes Tuning an den Geräten zu betreiben. Wobei es da eindeutig nur um Lautstärke gehen kann.

Und dann die subtilen Typen. Die nehmen nen Rasenmäher mit Elektromotor. Das ist zwar leiser, der penetrante Dauerbrummton nervt aber früher oder später, eher früher, genauso, wie die Sportkameraden mit der Verbrennervariante.

So neumodischer Kram … schildkrötenartige Gefährte, die autonom ihre Kreise über die Grasnarbe ziehen, scheinen noch nicht etabliert zu sein. Der deutsche Kleinbürger will Kontrolle über seine Grasnarbe… er will Macht über die Pflanze… will bestimmen, wie grün sein Garten zu sein hat…

Und das regelmäßig und ohne Kompromisse… mit einer Maschine, die seiner Umwelt deutlich macht, dass er Herr über seinen Rasen ist…

In dem Sinne… schönen Frühling noch!