Meine Mutter pflegte solange ich zurückdenken kann und schon davor eine in der DDR durchaus übliche Brieffreundschaft mit einer Frau aus der erst Sowjetunion und dann Russland. Die Familie wohnte im nahen Umfeld von Moskau und es gab regelmäßigen schriftlichen Kontakt, der auch nach dem ideologischen schulischen „Zwang“ der Schule und dann schlussendlich auch nach dem Ende der DDR noch eine lange Weile bestand, heute ist dieser Kontakt leider eingeschlafen.

Was mir allerdings immer in Erinnerung geblieben ist, sind natürlich die alljährlichen Päckchen zum Weihnachtsfest und Jahreswechsel, der ja historisch in der Sowjetunion mehr begangen wurde als bei uns Weihnachten.

Inhalt der Päckchen waren immer Kleinigkeiten, die mir bis heute vor allem wegen ihrer farbenfrohen Gestaltung im Gedächtnis geblieben sind, waren Grußkarten, Kalender und allerlei andere Drucksachen. Das war schon immer ein Fest der Farben und der liebevoll kitschig bunten Gestaltung. Das sprach an und war wirklich schön anzusehen.

Vor einigen Tagen sind mir ein paar dieser Karten wieder in Finger gefallen und wieder musste ich feststellen, dass unsere russischen Freunde einen ganz eigenen Stil und ein ganz eigenes Verständnis von Gestaltung und Farbgebung hatten und haben, die so typisch ist und so ganz anders als das was man als Zentraleuropäer so kennt.

Was mir dabei so in den Sinn kam, warum auch immer: Eigentlich sind wir alle Menschen auf der Suche nach ein bisschen bunter Freude. Was auch immer uns die, die da gerade Propaganda betreiben und die jeweils andere Seite einreden wollen.

Und so können ein paar alte bunten Karten den Gedankengang weg von großer Weltpolitik hin zu globalem Humanismus lenken… ja, wir dürfen uns alle einen kurzen bunten kitschigen Moment erlauben, vielleicht würde das die Welt ja immer mal wieder ein bisschen besser machen.