Woodford Reserve – der Schlichte gar nicht so schlichte Kentucky Straight Bourbon

Mrz 28, 2015

Amerikanischer Whiskey

Mein Interesse für amerikanischen Whiskey ist so neu nicht. Mittlerweile beschäftige ich mich mit dem Thema ein wenig eingehender und will die Welt daran teilhaben lassen.

Alle, die mich ein wenig besser kennen, haben sicherlich erwartet, dass ich mich erstmal um die Produktpalette von Jack Daniels kümmere, ist doch bekannt, dass ich seit Jahren die Marketingstrategie von Jack Daniels interessiert verfolge und auch den Produkten gegenüber eine Sympathie besteht. Da läge es natürlich nahe, dass ich mich hier erstmal über Gentleman Jack, Single Barrel Select und weitere Produkte von Jack Daniels kümmern würde.

Aber nein, ich steige mit einem anderen Whisky ein.

Der Woodford Reserve

Der Woodford Reserve ist ein Kentucky Straight Bourbon, hergestellt in der Distellerie von Labrot & Graham, diese gehört allerdings zu Brown-Forman. Man setzt beim Woodford Reserve auf Klasse und kümmert sich um den Bourbon mit Hingabe. Die Tatsache, dass hinter Woodford Reserve Brown-Forman steckt, mildert natürlich mein „schlechtes Gewissen“ hier nicht mit Jack Daniels angefangen zu haben ein wenig. Sind doch beide Marken unter dem Dach der gleichen Muttergesellschaft beheimatet.

Der Woodford Reserve ist jeweils immer ein Distillers Select, die Flaschen sind nummeriert und signiert. Man bekommt also einen Whiskey, der schonmal ein bisschen was hermacht…

Schaut man sich mal die Liste an Awards an, die der Woodford Reserve bekommen hat in den letzten Jahren, kann man schon ein bisschen beeindruckt sein:

  • 2015 Ultimate Spirits Challenge: Excellent, Highly Recommended
  • 2014 Whiskies of the World Awards: Gold Medal
  • 2014, 2012, 2011 San Francisco World Spirits Competition: Gold Medal
  • 2013 San Francisco World Spirits Competition: Double Gold Medal
  • 2012 International Spirits Challenge: Best in Class, Gold Medal
  • 2012 Ultimate Spirits Challenge: Extraordinary, Ultimate Recommendation
  • 2009 Whisky Magazine: Whisky Innovator of the Year
  • 2009 SIP Awards: Platinum Medal
  • 2009 New York Spirits Awards: Best of Class, Whiskies
  • 2005, 2001, 2000 World Spirits Competition: Double Gold Medal
  • 2003 International Spirits Challenge: Gold Medal
  • 2001 International Wine & Spirits Competition: Gold Medal
  • 1999 International Spirits Challenge: Best in Class, Bourbon

Wie ich auf den Posttitel gekommen bin

Wie komme ich jetzt auf das Schlichte im Posttitel? Nunja, sieht man sich Flasche und Etikettierung an, dann kommt man gar nicht darum hin, genau das zu denken. Eine einfache, flache Flasche ohne wirkliches Etikett, nur mit einer einfachen Beschriftung und dem kleinen Etikett im unteren Drittel, dass die Informationen zu genau dieser Flasche Woodford Reserve enthält. Mein Hang zu minimalistischem Design wird damit natürlich sofort positiv angesprochen. Dazu wird die Flasche mit einem klassischen Korken verschlossen. Macht natürlich einen guten Eindruck. 😉

Der Woodford Reserve – die inneren Werte

Alles andere als schlicht ist der Straight Bourbon an sich. Was man so an Infos bekommt, was man da jetzt genau rausschmecken soll, ist von Quelle zu Quelle unterschiedlich, deshalb gleich an dieser Stelle meine ganz persönliche Empfehlung:

Selber Testen und sich vom Woodford Reserve überzeugen. Es lohnt sich. Das Vergnügen ist bezahlbar und der Liebhaber von Bourbons wird nicht enttäuscht.

Bevor wir aber dazu kommen eine kleine Randinfo, die ich dem Horst Lüning verdanke, einem von mir mittlerweile geschätzten Whiskyexperten, der mich desöfteren mit seinen Tasting-Videos unterhält. Wenn Ihr Euch das Entertainment vom Horst Lüning auch mal geben wollt. dann am besten auf dem Youtube-Kanal von Whisky.de.

Der Horst wiederum hat bei der Vorstellung seiner Lieblingsbourbons (das Video dazu ist schon von 2012) nämlich erwähnt, dass der Woodford Reserve nicht, wie viele andere Bourbons auf einer Säulendestillationsanlage, sondern in einer Kombination aus drei Brennblasen gebrannt wird. Das heißt also Dreifachdestillation im Batchverfahren. Sehr untypisch für die Bourbonproduktion heute, aber eben auch ein interessantes Alleinstellungsmerkmal des Woodford Reserve.

So, jetzt aber zum Geschmack, immer wieder liest man von getrockneten Früchten, Minze, Banane, Orangen, Obstkuchen im Nosing. Das geht mir alles zu weit… das erinnert mich immer an die Weinkenner , die mir mit Südhang, kalkiger Boden, 7:45 Uhr von 3 blonden Jungfrauen geerntet um die Ecken kommen wollen… Was ich sowohl in der Nase als auch auch dem Gaumen durchaus zugeben kann, sind milde, fruchtige Noten mit einer leichten würzigen Bitterkeit auf der Zunge. Und natürlich Eiche… warum das jetzt von einigen so explizit aufgeführt wird, wundert mich ein wenig, lagert doch der Bourbon in Eichenfässern, was zwangsläufig zu den Aromen führt.

Im berühmten Abgang ist der Woodford Reserve oft als würzig, langlebig und nachhaltig beschrieben… auch hier würde ich das von meiner Seite lieber so beschreiben: Nach dem milden Eindruck auf Zunge und Gaumen, kommt hier dann noch der kleine sympathische Kick… Mein Gedanke beim ersten Gläschen: „Whooooohoooo… Da is ja doch ein bisschen Knick-Knack im Finish.“  Allerdings sehr angenehm und natürlich nicht brennig.

Video gefällig? Dann schaut hier:

Ein sympathischer Kentucky Straight Bourbon, der sich durchaus gut im Regal macht. Neben dem Distillers Select gibt es im Programm noch den Rye Whisky, den Double Oaked und die Master’s Selection. Somit kann die Sammlung noch erweitert werden. Das dann demnächst.

Wie sieht’s bei Euch aus? Amerikanischer Whiskey oder das torfige Zeug aus Schottland? 😉 Kommentar?

Und ab jetzt und demnächst unter jedem Artikel zu alkoholischen Getränken:

TRINK VERANTWORTUNGSVOLL & NICHT TRINKEN UND FAHREN!