Die Helenisierung der deutschen Popkultur

Jun 4, 2015

Ich muss zum Einstieg gleich mal das ZDF zitieren, dass sich dem Wahn auch nicht verschließen wollte und den Tourauftakt von Helene Fischer in Rostock am 2. Juni 2015 in wirklich jeder Sendung, in die es auch nur halbwegs reinpasste vom Morgenmagazin bis Leute heute (?) mindestens einmal unterbrachte.

Und das den ganzen lieben langen Tag… Und wann darf einem das Keyword „Altherrenwitz“ durch den Kopf gehen, wohl am besten dann, wenn das ZDF immer und immer wieder folgenden Satz sendet: „Helene Fischer macht’s jetzt oben ohne … also Open Air.“

Leute, das war ganz großes Kino… so ein Satz kann einem nur nach „Atemlos“ und ca. vier Bier der regionalen Industriebiermarke einfallen.

Helene Fischer darf ganz sicher als das perfekteste Kunstprodukt der deutschen Popmusikindustrie bezeichnet werden. Das ist auch von allen Seiten betrachtet eine respektable Leistung. Was das Management da die letzten Jahre gebaut hat, ist ein Gelddruckzirkus vor dem man den Hut ziehen kann.

Nichts funktioniert in der deutschen Musikszene so reibungslos wie die Marke Helene Fischer. Musikalisch läuft das alles auf dem immer gleichen perfekt funktionierenden Mitsingniveau. Nicht schlimm, Unterhaltungsmusik muss so sein. Sie muss für den einfachsten Geist fassbar sein… auch noch nach diversen alkoholischen Getränken… ist ja bei Punk auch nicht anders… nur schmutziger…

Ja… schmutzig ist Helene Fischer nicht… nicht mal so, wie man sich das vielleicht wünschen würde. Frau Fischer ist perfekt…  in jeglicher Hinsicht… jedenfalls die Helene, die das Publikum so liebt. Und zwar das ganze Publikum… wie das funktioniert?

Helene Fische funktioniert bei Männern, weil sie knappe Outfits trägt… sehr knapp aber nicht zu knapp… Man(n) kann sich schon einreden, dass da was gehen könnte…

Die Helene funktioniert bei Frauen, weil eben gerade nix und nie irgendwas gehen würde… Helene Fischer ist unnahbar… weil das Image von Frau Fischer sauber ist wie die Wäsche auf der Leine, nachdem sie der weiße Riese ordentlich durchgenommen… ähm…. durchgewaschen hat…

Jede Frau weiß, dass der blonde Engel für alle unerreichbar ist… für „normale“ Frauen allein durch ihre präsente Perfektion und für deren Männer immer durch die imaginären 15cm Panzerglas, die da vor der Kunstfigur Helene Fischer stehen, durch die man sie zwar sehen, aber nie erreichen kann.

Und wenn das ZDF nicht schon ausgereicht hätte… NEIN… jede Lokalpostille im schönsten Bundesland zwischen Brandenburg und Ostsee hat den güldenen Engel gestern über die Titelseite und die sozialen Netzwerke geschleift… die Redakteure sind natürlich total verzückt … von Helene … so verzückt, dass ich um das Symbolfoto über diesem Post nicht umhin komme … und die rührigen Social Media Teams konnten sich nicht zurückhalten und mussten auch noch nach Meinungen und Fotos fragen… Großartig… da wird das Publikum perfekt bedient…

Gibt es eigentlich schon Pläne für eine Helene Fischer Barbie für den deutschen Markt? Ich frag ja nur.

Und wenn es eines Beweises bedarf, dass Einwanderung gut und wichtig ist für Deutschland… dann ist die engelsgleiche Helene Fischer wohl der beste dafür.