Wo seid Ihr denn jetzt so? – Wo sind die User in den sozialen Netzwerken?

Feb 15, 2016

Wenn man mal die Gelegenheit hat Zielgruppenforschung zu betreiben, dann nutzt man die auch. Ging mir gestern gerade so. Die Zielgruppe „kurz vor Abi“ ist dabei ja nicht uninteressant, ist es doch die Gruppe, die schon sehr zielgerichtet und selbständig die Kommunikationskanäle auswählt, in denen sie unterwegs ist, auf der anderen Seite steht sie an der Schwelle demnächst das eigene und nicht mehr das Geld der Eltern auszugeben. Oder vielleicht doch noch, dann aber auch das ziemlich selbständig.

Also hab ich gestern mal ganz unverblümt, unvorbereitet und direkt gefragt, wo denn die Jugendlichen so unterwegs sind. Dabei kam als erste, überzeugendste Antwort: Instagram – das Netzwerk mit den ehemals quadratischen Bildern erlebt im Moment einen heftigen Schub in der Popularität in der jungen Zielgruppe. Hier können immernoch Bilder direkt gepostet werden, die angezeigte Timeline ist chronologisch und die Werbung hält sich (noch) in Grenzen. Dazu kommen die kurzen Videos, die Kommentarmöglichkeit und das schnelle Liken von Posts, die gefallen.

Die direkte Kommunikation innerhalb von Instagram ist zwar bekannt, wird aber gar nicht so häufig genutzt. Ich persönlich mag die direkte Kommunikation per Instagram schon ganz gern, hab ich da doch schon mit einigen Leuten weltweit ganz nett geplaudert. Das wird vor allem dadurch erleichtert, weil man durch den Bildcontent meistens einen direkten Aufhänger für die Kommunikation hat.

Die direkte Frage nach Snapchat führte dann auch zu einer Antwort. Ja, man benutze es, obwohl es dort wohl innerhalb der Zielgruppe zwei verschiedene Arten von Nutzung gibt. Die einen nutzen Snapchat zur direkten Kommunikation untereinander, die anderen nutzen den Rising Star unter den Netzwerken auch zu Unterhaltungszwecken und posten und konsumieren in den Stories oder sehen sich die von Snapchat angebotenen Channels an. Ein genereller Trend zum Konsum von Inhalten bei Snapchat scheint aber noch nicht da zu sein. Dass ich mit Snapchat nicht wirklich warm werde, ist einigen sicherlich schon aufgefallen… das mag am Alter und/oder am Anspruch liegen, dass Content, den ich lieber konsumiere eben informativ sein soll. Das bietet mir Snapchat einfach zu wenig…noch… Der dicke Fisch kommt wohl mittlerweile wirklich nicht so gut weg.

Facebook scheint mittlerweile ganz offensichtlich ein Problem mit den jüngeren Usern zu haben. Ja, man ist angemeldet und schaut auch ab und zu mal rein. Aber die Musik spielt halt woanders. Warum das so ist, ist an anderem Orte schon ausführlich erörtert worden. Allerdings möchte ich dazu noch ein paar ganz eigene Gedanken loswerden. Facebook ist für mich über die Jahre zu einer Informations- und Kommunikationsplattform geworden, an der mich vieles stört, die mir aber auch einiges bietet. Ich kann mir zum einen meine Informationsquellen selbst zusammenstellen.

Was mich dann stört ist natürlich die Arroganz von Facebook zu glauben, dass man für mich Infos vorfiltern kann, weil man meint, man kann technisch auswerten, was mich mehr oder weniger insteressiert. Das geht natürlich in die Hose. Wenn mir Post von gestern angezeigt werden, die sich mittlerweile überholt haben… am 15. Februar noch die Valentinstagsposts anzuzeigen ist echt mager… so interessieren mich genauso wenig die Sporttickermeldungen von gestern. Von den angezeigten Anzeigen will ich mal gar nichts schreiben, dass hier so einiges im Argen liegt, wird jeder Facebook User selbst merken. Und es interessiert mich auch nicht, wo einer meiner Kontakte gestern mittag war, wenn er dies per App (Swarm und Co.) gepostet hat. All das wird von der jungen, sprunghaften Userschaft natürlich noch sensibler beobachtet und dann durch Weggang quittiert.

Zählt doch gerade für die junge Zielgruppe bis 20 vielmehr das, was die direkten, persönlichen Kontakte und „Freunde“ gerade machen, als das, was die großen Zeitungen zum Beispiel per sponsored Post in die Timeline der jungen Leute spülen. Hier liegt ein großes Problem… für Facebook aber auch für die, die Werbegeld in das Netzwerk geben wollen…

Über WhatsApp lohnt es sich fast nicht mehr zu reden. Das ist mittlerweile so ein natürlicher Kommunikationsweg für die junge Zielgruppe, dass man, wenn man danach fragt, Blicke erntet, die Bände sprechen und Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit transportieren. Das wird halt eben benutzt, weil es alle benutzen…. selbst die alten Säcke, wie wir und die Eltern… is halt so…

Und Twitter …??? Ja Twitter is so ne Sache… da ist man angemeldet… guckt aber meistens nur rein, wenn einem mal wirklich langweilig ist und man einfach mal so was lesen möchte… und da fühlte selbst ich mich gar nicht so alt, wie ich wohl mittlerweile bin… mir geht es nämlich genauso… ich schaue zwar schon ein paar mal am Tag quer, was da gerade so passiert und was just in dem Moment so gepostet wird… aber gut… mehr auch nicht… ich poste dort zwar auch Links und einige mehr oder wenige nette Sachen… aber nunja… is halt so… macht man, weil es dazu gehört… schon ein bisschen schade? Ich weiß es echt nicht… ich kann seit einiger Zeit zu Twitter nur noch schwer Kontakt bekommen… die totale Automatisierungsmöglichkeit des Twitterns macht das ganze Netzwerk auch ein bisschen unpersönlich….

Und was mir dann noch aufgefallen ist… Social Networking wird in vielen Fällen herzlos und völlig emotionsbefreit betrieben, nicht von der jungen Zielgruppe… aber von denen, die die Zielgruppen erreichen wollen… Ich beobachte das in den letzten Wochen etwas aufmerksamer bei ein paar Accounts, denen ich schon interessehalber folge. In mehreren Netzwerken taucht da gleichzeitig dasselbe Foto mit identischer Message auf. Ja, warum soll ich diesen Accounts dann in mehreren Netzwerken folgen? Warum wird da Content mit der Gießkanne in die Netzwerke gekippt? Ein Run auf den User, der mit immer mehr Content überall angesprochen werden soll. Hier wie da wie dort… das funktioniert aber irgendwie nicht so ganz… sind doch die jungen User bei Instagram und die älteren bei Facebook… und die „speziellen“ bei Twitter 😉 …

Selbst wenn man es verstehen kann, dass das meiste an Inhalten in alle Netzwerke verteilt wird, dann sollte es in meinen Augen für jedes Netzwerk die Schmankerl geben, die auf Zielgruppe und Zweck angepasst werden. Das ist natürlich zusätzlicher Aufwand für die Social Media Teams und Agenturen… aber nur so, glaube ich, spricht man überhaupt noch jemanden in den Netzwerken so an, dass es auch irgendwie ein Feedback geben wird.

Irgendwas hier im Text nicht verstanden?

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2 Kommentare

  1. DirkNB

    Interessant, dass Du so einen Artikel schreiben konntest, ohne einmal das Wort „Internet“ zu benutzen … 😉

  2. docW

    Ich glaube die Verwendung des Wortes Internet in dem Zusammenhang wäre genauso wie Web 2.0, „Netz“ oder was auch immer in dem Zusammenhang gerne benutzt wird völlig fehl am Platz… 😀

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Jens

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