Es war 1995, Wehrdienst und Eurodance – Late Night am Morgen

von Jul 8, 2022OMT0 Kommentare

ACHTUNG! Nachfolgender Text besteht nur aus bissiger Satire. Wer damit nichts anfangen kann, klickt bitte auf einen anderen Artikel. Danke.

Es ist 199… nein 95 und mich hat gerade das neu vereinigte Deutsche Bildungssystem ins Leben gespuckt….mit Abitur…

Was danach mein Plan war…. Mein Beitrag zur Zersetzung der deutschen Wehrfähigkeit in Form des Wehrdienstes. Dass ich schon zu dem Zeitpunkt nicht dafür gebraucht wurde, war mir sehr schnell klar. Wie erfolgreich so eine Zersetzung von innen heraus funktioniert, sehen wir heute.

Als besonderes Highlight empfand ich junger Spinner, der sich Intelligenz anmaßte, das, was man sich in der Bundeswehr als einfache Unteroffiziere hielt. Von der Gesellschaft wegen schwächelnder Konjunktur damals bei der Bundeswehr abgestellt, damit sie wenigstens irgendwas machten und man sie für 4 bis 8 Jahre los war, tauchten die Gestalten als Anfang 20jährige auf und zeichneten sich durch laute Stimmen, einfaches Gemüt und der Fähigkeit aus, ein paar Standardsprüche auswendig gelernt zu haben, die sie immer und immer wieder wiederholten. Das sprachliche Repertoire hielt sich halt auch in Grenzen.

Also verbrachte ich die paar Monate in Einheitskleidung und für nen frisch abiturierten ganz ordentlichen Monatssold unter dem Einfluss eben der dann wenigstens ganz putzigen Gemüter.

Alles ab Feldwebel und drüber ging ja dann auch wieder…irgendwie müssen die dann ein Update bekommen haben oder gut aussortiert gewesen sein.

Wie sehr einen sowas mitnehmen kann, merkte ich, als ich nach der Zeit einige Wochen brauchte, um wieder auf gewohntem vorwehrdienstlichen Niveau lesen und schreiben zu können.

Und bevor jetzt irgendwer Schnappatmung bekommt. Ich habe eine positive aber kritische Einstellung zu Bundeswehr und Soldaten… inklusive offensichtlicher Unterstützung der „Gelben Schleife“… also ruhig weiteratmen und ein bisschen Selbstreflektion, dass da Wahrheit in den vorangegangenen Sätzen steckt.

Interessant wird das alles just in dem Moment, wo ein gelangweilter, dafür aber nicht ganz unbegabter Musikproduzent einen orientierungslos umherirrenden Ex-GI in sein schwarzbeledertes Kellerstudio verschleppt und nachdem der wieder wach ist erklärt, dass er ab jetzt mäßige Eurodance Ware mit seinem Körper und seiner Stimme anreichern wird. Und weil er im Rausch von Ko-Tropfen und Poppers einen Vertrag auf Lebenszeit unterschrieben hat, denkt der sich… dass das immer noch besser ist, als sich im Irak den Arsch wegschießen zu lassen. Von daher… DEAL… und ab geht die Post… der Name ist auch schnell gefunden und eine erste Veröffentlichung wird es auch bald geben…

Hier ganz wichtig… alles muss leicht einprägbar sein… Name des Projekts und natürlich auch die Texte dieser msuikalischen Zumutungen… da macht man es sich am Anfang am besten ganz einfach, denn schließlich muss auch noch die letzte Bierleiche in der Dorfdisse mitgröhlen können…

Warte… genau… Captain Jack …. und als Text „Hey ho…Captain Jack“ … damit die Bierleichen noch was zu sabbern bekommen, gibt es was Hübsches für die verquollenen Augen an die Seite des Ex-GIs und vielleicht je nach Veranstaltung noch ein paar Tänzer*innen… läuft…

Und wer hätte das geglaubt… eben 1995 bekamen die vorher beschriebenen Unteroffiziere glasige Augen und (Halb-)Erektionen in ihren olivgrünen Dienstschlüpfern, als der große dunkelhäutige Mann „Hey Ho Captain Jack“ gröhlte…

Läuft auch noch über 25 Jahre später… denn wie jede Modesünde, wird auch jede musikalische Absonderlichkeit revitalisiert und über Dorf- und Festivalbühnen als „90s Irgendwas“ gezerrt um zur billigen Unterhaltung von Einheimischen und Touristen zu dienen. Unter was das jetzt läuft, weiß ich auch nicht… Wahrscheinlich Drittverwertung…

Ob die glasigen Augen der mittlerweile auch über 25 Jahre älteren Konsumenten nun von der Sentimentalität stammt, die von den musikalischen Helden von damals herrührt, oder dem immer noch reichlichen Biergenuss, mag unbeantwortet bleiben und ist auch egal.

Was man allerdings sagen muss, auch wenn man den armen Captain Jack noch heute in seine Fantasieuniform steckt, sieht er mittlerweile mehr aus, wie der nette ältere Herr auf der Onkel Bens Reispackung. Ist aber auch in Ordnung… ich bin ja auch nicht mehr der straffe Adonis, zu dem mich die Grundausbildung gemacht hatte…

Und jetzt … alle zusammen: „Hey ho Captain Jack…“ …. ist schließlich von Tourismusabgabe finanziert und Spaß ist für alle da…

Jens

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