Morgens. Kurzer Blick auf den Schulhof der digitalen Zuckerberg-Hauptschule. Nichts geht über ein bisschen umgekehrter Peristaltik am Morgen. Das bringt den Körper in Schwung und sorgt schon zu früher Stunde für den ersten Facepalm ob der emotionalen Ausbrüche jenseits jeder menschlichen Selbstkontrolle und Reflektion eigener Gedanken, die man da präsentiert bekommt. Oder der eine oder andere private „Fahndungsaufruf“, Suchaufrufe nach angeblich oder wirklich Vermissten … aus 2008.

Zusätzlich ist es auch der toxische Tummelplatz psychischer Abgründe und fehlgeleiteter Zurschaustellung von Ereignissen und Geschehnissen, die besser privat und ganz individuell aufgehoben wären. Daher immer wieder mein Tipp. Jeder sollte sich selbst hinterfragen, wieviel allgemeines Interesse an dem Privaten besteht, was ich da gerade in die Öffentlichkeit gebe.

Und wenn man wissen möchte, wohin der asoziale paranoide Wahn, der in dieser Gesellschaft um sich greift, führen kann, der möge das hier lesen.

Und ja irgendwie ist es gar nicht verwunderlich, dass selbst verstörteste Charaktere und Gruppen, die gern mal im trüben Bodensatz Wahlberechtigter fischen, hier im asozialen Netzwerk genauso fischen gehen, wie früher die Schulhof-CD Verteiler und Hasch-Dealer.

Ich sollte vor ein paar Tagen Twitter beschreiben. Ich überlegte kurz und wollte schon mit der lange genutzten Erklärung um die Ecke kommen, dass Twitter eigentlich nur die ganz große Selbsthilfegruppe der Auffälligen und Verwirrten ist. Und Twitter dafür sorgt, dass die Psychologen und Therapeuten nicht endgültig in einer Patientenflut absaufen. Das wäre mittlerweile aber wohl etwas kurz gegriffen. Auch bei Twitter sieht man, wie sich die Bewegung an die extremen Ränder der Meinungsbildung bewegt und das in schriftlichem Kleinkrieg sich auch hier ergießt und in teilweise sehr unschönem Vokabular und Schreibstil der Öffentlichkeit zu Angesicht gegeben wird.

Auffällig ist auch, dass es wohl so etwas wie Meinungsaustausch und Diskurs nur noch im Stil der sturen Präsentation der eigenen Meinung gibt, die dann unter allen Umständen und teilweise bis zur totalen Eskalation verteidigt wird. Gegenseitiges Zuhören und offener Diskurs sind nicht mehr state of the art. Traurige Kommunikationskultur. Mehr fällt einem dazu nicht ein.

Und sicher könnte man das Feld verlassen und den Bekloppten und Bescheuerten (Danke, Dietmar Wischmeyer!) überlassen, aber es macht ja keinen Sinn die übel riechende Suppe nur abzudecken und dann zu ignorieren… Stinkt ja trotzdem weiter.

Und seien wir doch mal ehrlich zu uns. Es ist ja auch recht unterhaltsam, wenn man das Gegeifer mal beobachtet und sich so ein Bild über die digitalen Verbindungen zeichnet. Im Prinzip ist das alles digitales Dschungelcamp, und das jeden Tag, so man das will.

Jens

Jens

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Das COFFEEPOTDIARY ist mein ganz persönlicher Platz für Entdeckungen, Gedanken und mehr. Entstanden aus der Idee meinen Kaffeekonsum zu dokumentieren ist es mittlerweile ein Blog mit ganz unterschiedlichen Themen.