Röststoffe sind Aromastoffe. Das ist nunmal so. Das ändert aber nichts daran, dass man ein Schnitzel nicht unbedingt solange in der Pfanne lassen muss, dass man die Panade von goldbraun zu tendenziell schwarz umfärbt. Man muss auch nicht lieblos Camenbertscheiben darüber schmeißen und ne Kanne Preiselbeersauce aus dem Glas drüber kippen. Da hilft auch der Haufen SpiralPommes nicht mehr, auf dem man das Schnitzel drapiert. Das kann man in nem durchschnittlichen Landgasthof in der Provinz machen. Nur nicht in einem Restaurant mit entertainig formulierter Speisekarte mit ambitionierten Preisen in einem touristischen Kerngebiet. Und man sollte den Gast auch nicht bei halbvollem Restaurant darauf 45 Minuten warten lassen. Wenn dann noch der Salzstreuer auf dem Tisch ein stark zu Ungunsten der Salzkristalle verschobenes Verhältnis Salz zu Reiskörner hat… Allerdings war der Service gut.

„DON‘T CALL IT SCHNITZEL!“ …. ging mir da spontan durch den Kopf.

Apropos mutig. Pünktlich zu Ostern hat sich auch hier oben im Nordosten der Frühling mit warmen Temperaturen eingestellt. Das macht sich vor allem darin bemerkbar, dass es zum überfälligen Garderobenwechsel in der Bevölkerung kommt. Dabei will ich gern zugeben, dass auch ich seit kurzem Besitzer einer Übergangsjacke bin, das lässige Modell aus witterungsabweisenden Softshell mit umweltfreundlicher Beschichtung und, ganz wichtig, atmungsaktivem Futter fand Eingang in das Bekleidungsdepot und hat sich bereits jetzt beliebt gemacht.

Noch viel besser ist aber die Tatsache, das endlich diese unsäglichen bis dato allgegenwärtigen Steppjacken in Grundfarben gelb, blau, rot, grün und verwegenem grau endlich verschwinden, die inflationär auch in den selbsternannten In-Läden der näheren Umgebung an das bereits etwas ältere Klientel als absolutes Mode-Muss verklickert werden. Dabei hat man denen nur noch nicht gesagt, dass de Dinger in ihrer horizontalen Steppung immer aussehen wie aneinander genähte Schwimmnudeln aus dem Seepferdchenunterricht ihrer Enkel. Die haben übrigens auch die gleichen Farben wie diese modische Massenware, wobei selbst dem größten Modemuffel auffallen sollte, dass er ein Massenprodukt der kunststoffverarbeitenden Industrie erwirbt, wenn diese Teile nach den Farben sortiert zu mindestens zwanzig gleichfarbigen Exemplaren im aufwendig hergerichteten Showroom des Modetempels hängen.

Ich oute mich im übrigen gern als Game of Thrones Nicht-Fan. Die Offenbarung in Form der letzten Staffel dieser hahnebüchenden Fantasysoap wurde in den letzten Monaten mit diversen Auswüchsen im Mechandising vorbereitet und flankiert. Wie so oft lief das nach dem Motto „Mit nem Hype kannste alles verklickern.“ Das ist richtig, führte wohl auch in den Marketingabteilungen diverser Whiskyfabrikanten zu leuchtenden Augen und in der Grafikabteilung zu Überstunden. Was da an GoT Editionen auf den Markt gekippt wurde ist entweder beeindruckend oder beängstigend. Ein Etikett einer Fernsehserie macht ein Produkt nur fiktiv interessanter. Ein mittelmäßiger Whisky wird auch dadurch nicht zum Top-Produkt, sondern bleibt ledrig-torfige Spirituose, die man vorher und auch jetzt einfach nicht schön schreiben könnte.

Interessanter wird da schon die Vorgehensweise der von mir sehr geschätzten Band Behemoth. Die widersetzt sich dem Trend der letzten Jahre und versieht keine Spirituose mit ihren Insignien, sondern Kaffee. Ja, guter Kaffee kommt für den Behemoth Merchandising Shop in eine natürlich schwarze Vakuumtüte und wird dann mit den umgedrehten Kreuzen der Band versehen. Das kann gefallen. Zumal die Jungs um Adam Michal Darski eh meine Sympathien haben….sowohl musikalisch als auch aus dem Grund, dass sie ein fetter Dorn im Auge der polnischen katholischen Kirche sind. Den Kaffee bekommt man im bandeigenen Webstore, der bei den polnischen Nachbarn beheimatet ist. Man bekommt also seinen Kaffee direkt aus Polen nach Haus geliefert…. Ganz unkompliziert. EU sei Dank! Review dazu folgt in Kürze.

Jens

Jens

COFFEEPOTDIARY.de | FGW

Das COFFEEPOTDIARY ist mein ganz persönlicher Platz für Entdeckungen, Gedanken und mehr. Entstanden aus der Idee meinen Kaffeekonsum zu dokumentieren ist es mittlerweile ein Blog mit ganz unterschiedlichen Themen.