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Es gibt immer einen Grund sich aufzuregen. Wir Deutsche sind ja mittlerweile dafür bekannt, eine fast schon unendlich große Druckbelastung aus allen Richtungen ertragen zu können. Dabei distanziere ich mich gleich an dieser Stelle von den Wutbürgern, Schreihälsen und Spinnern, die meinen, nur möglichst laut sein zu müssen, um ihren Schwachsinn zur Wahrheit werden zu lassen.

Allerdings ist irgendwann auch mal Schluss mit dem, was man selbst noch als akzeptabel empfindet.

Die meisten wissen, dass ich seit Jahren ganz gerne mal das eine oder andere Messer in meine Messersammlung einfüge, nicht immer unter praktischen Gesichtspunkten, oft auch nur unter rein ästhetischen und manchmal auch unter dem ganz banalen „der Junge im Mann muss ein Spielzeug haben“ – Aspekt. Dabei kam mir nie in den Sinn ein Messer anders als als Werkzeug einsetzen zu wollen. Ganz im Gegenteil. Die meisten Messer sind eh nur reines Sammlerobjekt für die Vitrine.

Jetzt kommt ein neuerlicher Vorstoß aus dem Innenministerium des Landes Niedersachsen, unterstützt von diversen anderen Ländern, um uns Messersammlern, Jägern, Outdoorfans und allen anderen Messernutzern unser Hobby nahezu unmöglich zu machen.

Nachdem uns schon Multitools in der Hosentasche zu Kriminellen gemacht haben, Klappmesser nur noch als Spielzeuge legal sind und feststehende Messer mit mehr als 12cm Klingenlänge sowieso ganz doll böse sind, geht das alles jetzt noch einen großen Schritt weiter. Jetzt sollen feststehende Messer nur noch 6cm Klingenlänge haben dürfen…und die fixe Idee von sog. Waffenverbotszonen, Sicherheitszonen oder wie auch immer das alles heißen soll, kriminalisieren am Ende alle, die ein Messer, egal was für eins, mit sich führen.

Dabei zeigt das Beispiel Groß Britannien, dass sich wirklich Kriminelle so irgendwie gar nicht an so ein Gesetz halten wollen. Dänemark hat ein ähnliches Gesetz zurückgezogen.

In Österreich, und ich ziehe unsere südlichen Nachbarn und Freunde nicht oft als positives Beispiel heran, gibt es ein liberales Messerrecht. Das wiederum führt nicht zu Anarchie, sondern die Kriminalstatistik zeigt, dass Vorfälle mit Messern sogar rückläufig sind.

Ich möchte mich da jetzt auch gar nicht aus dem Fenster legen und behaupten, dass mehr gut ausgebildete Polizisten mehr bringen als solch populistische Maßnahmen, aber irgendwie ist es dann doch so.

Und irgendwann hat man sogar mich soweit, ich schreibe an den Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, den ich als bodenständigen, bürgernahen Menschen kennenlernen durfte und von dem ich eigentlich nicht erwartet hätte, dass der sich auf so einen Unsinn einlassen würde.

Und damit der Brief nicht im Rundordner des Innenministeriums untergeht, mache ich diesen hier in meinem kleinen, schnuffeligen Kuschelblog öffentlich.

Ich verweise an dieser Stelle gern auch nochmal auf die Ausführungen der Messerspezialisten vom KNIFE-BLOG.com und vom MesserMagazin. Ich finde es bei allem Ungemach, das da heraufzieht, endlich mal positiv beeindruckend, dass sich die Community zusammenzufinden und sich aktiv gegen die inakzeptable Einschränkung der Freiheit unbescholtener Bürger zu positionieren scheint.

Jens Scheider
Siedlung Ost 30
17440 Lassan

Ministerium für Inneres und
Europa Mecklenburg-Vorpommern
Herrn Innenminister Lorenz Caffier

19048 Schwerin

Lassan, 09.05.2019

Sehr geehrter Herr Innenminister Caffier,

derzeit gibt es mehrere Vorstöße seitens der Länder-Innenminister, die auf die drastische Ausweitung von Waffenverbotszonen über Kriminalitätsschwerpunkte hinaus auf praktisch den gesamten öffentlichen Raum – und auch auf ganz normale Gebrauchsmesser – abzielen.

Damit geht zwangsläufig eine Kriminalisierung unschuldiger Bürger einher.

Die geplanten Verschärfungen betreffen durch derzeitige Rechtspraxis nicht nur Waffen, sondern alle möglichen Alltagsgegenstände – darunter auch das beliebte Schweizer Taschenmesser. Es gibt durch Ergänzung per lokalen Verordnungen keine einzige (!) „Waffenverbotszone“, in der alltägliche Gebrauchmesser noch erlaubt sind.

Auch die Aussagen der Innenminister, die die Verschärfungen anstoßen, sowie auch der letzten Innenministerkonferenz betreffen ganz eindeutig Messer aller Art – nicht nur „Waffen“.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius will ein Messerverbot „an Orten mit vielen Menschen auf engem Raum, wie in Fußgängerzonen und Einkaufszentren“ und auch „im Umfeld von Schulen und Kitas“. NRW-Innenminister Herbert Reul will „wo man es kann, … das Mitführen von Messern verbieten.“ Hessens Innenminister Peter Beuth will „bundesweit ein generelles Waffenverbot rund um Kindergärten, Schulen, Bahnhöfen und bestimmten öffentlichen Einrichtungen“.

Die vermeintlichen „Erfolge“ von Waffenverbotszonen an Kriminalitätsschwerpunkten sind nicht auf das Verbot selbst, sondern auf verstärkte Polizeipräsenz dort zurückzuführen. Die geplanten Verschärfungen sind keine Lösung, sondern stellen vielmehr einen Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger und auch eine Kriminalisierung unschuldiger Menschen dar!

Es spricht Bände, dass das Verwaltungsgericht Berlin kürzlich im Interesse der Bürgerrechte gegen (!) eine solche Verbotszone urteilte (Az: VG 1 L 363.18).

Die Lösung für das Problem sind nicht weitere Verbote, sondern verstärkte Polizei-Präsenz mit abschreckender Wirkung!

Ich schreibe Ihnen, weil die Gefahr besteht, dass mit diesem undifferenzierten Vorgehen unbescholtene Bürger kriminalisiert werden, die Messer als Handwerkszeug für ihre Aufgaben in Beruf und Freizeit nutzen, oder, wie ich, aus reiner Freude an der Handwerkskunst des Messerbaus, Messer sammeln, ohne auch nur im entferntesten an eine kriminelle Nutzung eines Messers zu denken.

Nach den sowieso schon gravierenden Einschränkungen der letzten Jahre besteht die Gefahr, dass nicht nur vielen Menschen die Möglichkeit genommen wird ihre Leidenschaft auszuleben. Sie setzen gleichzeitig diverse Traditionsfirmen und damit Arbeitsplätze in die Gefahr ihr seit teilweise Jahrhunderten ausgeführtes Handwerk aufgeben zu müssen.

Das kann so nicht sein. Ich habe Sie als bürgernahen und verständigen Politiker kennengelernt, der gern und oft nah am Bürger ist. Dies sollten Sie sich bewahren und im Sinne von Bürger und Wähler gegen diese Bestrebungen vorgehen und sich am Vorbild Österreichs orientieren, das trotz eines liberalen Umgangs mit dem Thema Messer eine diesbezügliche positive Statistik vorweisen kann.

Ich bitte Sie um Ihre Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Scheider

Jens

Jens

COFFEEPOTDIARY.de | FGW

Das COFFEEPOTDIARY ist mein ganz persönlicher Platz für Entdeckungen, Gedanken und mehr. Entstanden aus der Idee meinen Kaffeekonsum zu dokumentieren ist es mittlerweile ein Blog mit ganz unterschiedlichen Themen.

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Verschärfung Waffenrecht Messer - Protest der Community wird notwendig - Protestbrief
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Verschärfung Waffenrecht Messer - Protest der Community wird notwendig - Protestbrief
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Das Waffenrecht soll für Messer weiter verschärft werden. Unverhältnismäßig, total überzogen und ohne praktische Wirkung. Protest des Bürgers ist also nötig. Die Messercommunity muss bei der Politik Druck machen.
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Coffeepotdiary - Jens Scheider
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