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Und da war er wieder. Einer dieser unsäglichen Artikel. Ich kann sie seit Jahren nicht mehr ertragen. Ich nenne das gern Füllcontent, wenn einem nichts einfällt und man aber irgendwas posten muss. Am besten mit ein paar Portraitfotos, gemacht von der bedauernswerten Begleitung im Hintergrund, die immer die Kamera bedienen muss, damit man auch noch ein paar Fotos im Café zusammenbekommt, getunt mit ein paar eingekauften Presets. Und lächeln muss man darauf. Damit die Fanbase auch immer ein paar süßlich verständnisvolle Kommentare unter den Post schreiben kann.

Heute hab ich wieder so einen Blogpost gefunden. Da war sie wieder diese elende Litanei von der bösen Umwelt, die ja immer noch nicht begriffen hat, dass Bloggen auch Arbeit ist und dabei ist es doch eben die ganz harte Quälerei, die man da durchzieht. Erst geht man mindestens 40 Stunden in einer anderen Vollbeschäftigung arbeiten und dann bloggt man auch noch. Und das alles ist so hart, weil man das einfach machen muss, weil es ja kein anderer macht…und kann. Und niemand will das verstehen und ernst genommen wird man auch nicht.

Sorry, aber das ist Fishing for Mitleid.

Ich würde solche Posts gerne von Alten- oder Krankenpflegern, Straßenbauern, Landwirten oder Handwerkern lesen. Denen würde ich das nämlich abnehmen. Der Bloggerin mit den Kaffeetrinkfotos aus einem Hipster-Café beim besten Willen nicht.

Das Geheule um das ach so harte Bloggerleben ist schon seit Jahren unerträglich. Ja, wenn man sich auf einen eigenen Blog einlässt, wird man sehr schnell merken, dass fehlende Zeit, Inspiration und Motivation an einem nagen können. Aber immer noch kein Grund zu jammern.

Und ja, wenn man denn Inspiration und Motivation zusammengetragen hat, dann kommen Text, Fotos und die Verbreitung. Aber das alles macht man freiwillig und ohne den Druck von außen, dass man liefern muss… von Kooperationen mal abgesehen.

Daher mache ich das COFFEEPOTDIARY schon immer mehr oder weniger unter dem Blogger-Radar, ich verzichte auf allzu viele Kontakte zur „Bloggerszene“, die gefühlt eh zum größten Teil aus Lifestyle, Beauty, Reise und Essen besteht. Ich schreib dann lieber vor mich hin und freue mich über die paar Leute, die bei mir landen.

Wie man merkt fehlen mir auch desöfteren Mal das eine oder andere… also meistens Zeit und Motivation. Und dann kommt halt nicht jede Woche ein Artikel. So schlimm ist das für mich aber auch gar nicht. Und ich schreibe eben nicht für andere Blogger, denen ich mein Leid klagen will, sondern für die ganzen im positiven Sinn Verrückten, die meine Texte lesen und meine Empfehlungen gut finden.

Mein größter Gewinn an meinem Blog ist ein lebendes Konstrukt, an dem ich lernen und arbeiten kann, vor allem technisch. Hier kann ich halt Sachen ausprobieren, die dann irgendwann vielleicht bei einem Kunden wieder Anwendung finden.

Bloggen ist nicht hart, Bloggen ist auch nicht stressig. Bloggen ist genau das, was man daraus macht oder machen will, sowohl im Aufwand als auch im Umfang.

Jens

Jens

COFFEEPOTDIARY.de | FGW

Das COFFEEPOTDIARY ist mein ganz persönlicher Platz für Entdeckungen, Gedanken und mehr. Entstanden aus der Idee meinen Kaffeekonsum zu dokumentieren ist es mittlerweile ein Blog mit ganz unterschiedlichen Themen.